In eigener Sache

Beim Reiten fühle ich mich total lebendig

Mit 18 Jahren erfolg­reich im Spring­reiten, parallel dazu ein Jurastudium an der Univer­sität Zürich – Elina Bidermann (Tochter von Christian Bidermann, Partner bei Rahn+Bodmer Co.), zeigt, dass Leistungs­sport und Studium mitein­ander vereinbar sind. Nach einer verlet­zungs­be­dingten Pause ihres Pferdes Can Caipy (Caipy) ist sie nun wieder auf Erfolgskurs. Im Interview spricht sie über ihren sport­lichen Werdegang, Heraus­for­de­rungen im Reitsport und ihre Zukunftspläne.

Elina, wie bist Du zum Spring­reiten gekommen?

Das ist irgendwie einfach passiert. Zum sechsten Geburtstag haben mir meine Gross­eltern Reitstunden geschenkt. Meine erste Reitstunde erteilte mir Barbara Bidermann, meine Tante. Ich habe mit ihr auf einem Pony angefangen, inklusive Putzen und allem, was dazugehört. Später kam ich durch eine befreundete Familie in den Spring­reit­sport. Ich hatte das Glück, dass ich unglaublich gute Traine­rinnen und Trainer hatte und immer noch habe, die mir die richtigen Werte und den richtigen Umgang mit Pferden von der Pike auf beigebracht haben. Regel­mässige Turniere reite ich seit 2022, seit ich mit Caipy trainiere.

Was faszi­niert Dich am meisten an diesem Sport?

Wenn ich einen Parcours reite, fühle ich so viele Emotionen – das ist unbeschreiblich. Man lebt den Moment zu 100 Prozent. Es gibt diesen Spruch: «Man kann hundert Jahre leben, ohne eine Sekunde wirklich gelebt zu haben.» Beim Reiten ist es bei mir anders – die Mischung aus Adrenalin und etwas Nervo­sität bei vollstän­diger Konzen­tration gibt einen unglaub­lichen Kick. In dem Moment fühle ich mich total lebendig.

Letztes Jahr hattest Du eine schwierige Zeit mit Deinem verletzten Pferd. Wie hast Du diese Phase erlebt?

Caipy war lahm, und es war schwer heraus­zu­finden, wo das Problem lag. Die Unter­su­chungen haben viel Zeit in Anspruch genommen, und lange konnten wir nur im Schritt reiten – kein Training, keine Turniere. Das war eine Umstellung für mich, denn Reiten ist mein Ausgleich und ein ganz wichtiger Teil meines Alltags. Als das wegge­fallen ist, habe ich angefangen zu reisen, um die Zeit anders zu füllen.

Ich habe mir auch viele Gedanken gemacht: Was, wenn wir nicht mehr springen können? Ist es fair, Caipy weiter zu belasten, sie ist immerhin schon 16 Jahre alt? Aber sie hat mir in den letzten Jahren so viel gegeben, also musste ich ihr jetzt auch die Zeit geben, die sie braucht. Unsere Beziehung hat sich durch diese Zeit vertieft.

Reiten ist ein Sport, bei dem man nicht nur von der eigenen Leistung, sondern auch von der des Pferdes abhängig ist. Wie gehst Du mit dieser Heraus­for­derung um?

Wenn ein Fehler passiert, dann ist es meiner – immer. Ich bin verant­wortlich für die Leistung des Pferdes. Es spiegelt im Parcours meine aktuelle Verfassung wider, aber auch unsere Arbeit der letzten Wochen und Monate. Kein Tag ist wie der andere, jedes Training ist eine neue Heraus­for­derung. Diese Arbeit zeigt sich dann im Wettkampf.

Jetzt bist Du wieder erfolg­reich und hast dieses Jahr bereits Turniere gewonnen. Was waren die wichtigsten Schritte auf dem Weg zurück?

Ende letzten Jahres sind wir wieder ins Training einge­stiegen, und ich habe gemerkt, wie glücklich Caipy war. Sie hatte keine Schmerzen mehr und war hochmo­ti­viert. Wir sind beide sehr ehrgeizig, trotzdem hatte ich bis zum ersten Turnier keine Erwar­tungen – ich wollte mich nicht zu früh freuen. Erst nach dem tierärzt­lichen Check vor dem Turnier wusste ich sicher, dass wir starten können. Dann haben wir direkt zwei Siege geholt und konnten an frühere Erfolge anknüpfen. Das war ein gross­ar­tiges Gefühl!

Was hast Du aus dieser Erfahrung als Sport­lerin gelernt? Gibt es etwas, das Du heute anders machst?

Ich nehme ein gesundes Pferd nicht mehr als selbst­ver­ständlich. Während der Verletzung habe ich den Fokus auf ihre Erholung gelegt und viel über unsere Trainings­weise nachge­dacht. Jetzt reite ich bewusster– kürzer, aber inten­siver. Ich arbeite daran, sie «kompakter» zu machen, damit sie weniger Gewicht auf den Vorder­beinen hat. Das kommt nicht nur ihr, sondern auch mir zugute.

Welche Ziele hast Du Dir für diese Saison gesetzt?

Mein Leben muss sich jetzt wieder etwas umstellen, weil das Reiten wieder mehr Platz einnimmt. Turniere stehen wieder im Fokus, und ich möchte mit Caipy zurück auf 1.20 Meter oder sogar 1.30 Meter. Aber wenn das nicht geht, dann reite ich das, was für uns beide gut funktioniert.

Langfristig würde ich gerne auch 1.40 Meter springen, aber ich weiss noch nicht, ob das mit Caipy möglich ist. Mein Studium hat Priorität, und eine Profi-Karriere mit mehreren Pferden ist für mich keine Option. Aber solange sich Studium und Reiten verein­baren lassen, bin ich glücklich. Vielleicht kaufe ich irgendwann ein junges Pferd und bilde es selbst aus – mal sehen, wohin die Reise geht.

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